Physiotherapie bei Morbus Scheuermann

Die Scheuermann-Krankheit, auch Osteochondrosis deformans juvenilis oder Adoleszentenkyphose ist eine der häufigsten Schädigungen der Wirbelsäule bei Jugendlichen. Die ersten Anzeichen treten meistens zwischen dem 10. und dem 15. Lebensjahr auf, überwiegend bei Jungen während der Pubertät.  

Die Erkrankung betrifft in der Regel den mittleren und unteren Anteil der Brustwirbelsäule sowie den oberen Anteil der Lendenwirbelregion. Optisch typisch für Morbus Scheuermann ist eine Rundrückenstellung. Auch wenn die Erkrankung im jungen Erwachsenenalter zum Stillstand kommt, haben Betroffene durch die Verformung der Wirbelsäule und die degenerativen Veränderungen an den Bandscheiben häufig ein Leben lang Probleme mit Rückenschmerzen.  

Physiotherapie – insbesondere Krankengymnastik und Trainingstherapie – sind daher bei dieser Diagnose die Top-Behandlungsempfehlungen. Morbus Scheuermann ist zwar durch Physiotherapie nicht heilbar, aber die Symptome und Folgen lassen sich durch die richtigen Maßnahmen positiv beeinflussen. Je früher die Therapie begonnen wird, desto besser sind die Aussichten auf Erfolg. 

Wie entsteht Morbus Scheuermann? 

Die Ursache für eine Scheuermann-Erkrankung ist weitestgehend unbekannt. Wahrscheinlich spielen Umwelteinflüsse eine Rolle oder Vererbung. Zusätzliche Faktoren können den Krankheitsverlauf verstärken: 

  • schwache Muskulatur infolge von mangelnder Bewegung 
  • Extremsport, der mit hohem Kraftaufwand betrieben wird 
  • schlechte Körperhaltung 

Die veränderte Wirbelsäulenform bei Morbus Scheuermann entsteht durch ein ungleichmäßiges Längenwachstum der Wirbel. Die vorderen Anteile der Wirbel wachsen langsamer als die hinteren, sodass die Wirbel eine Keilform ausbilden. Wenn mehrere solcher Keilwirbel übereinander liegen, krümmt sich die Wirbelsäule. Das erhöht z. B. beim Rundrücken den Druck auf den vorderen Teil der Bandscheiben. Besteht diese einseitige „Überbelastung“ dauerhaft, erhöht sich das Risiko für Bandscheibenvorfälle im Erwachsenenalter.  

Aufschluss darüber, ob eine Scheuermann-Krankheit vorliegt, gibt z. B. ein Röntgenbild. Hier sind die keilförmigen Fehlbildungen der Wirbel erkennbar. Ferner können ebenfalls sichtbare Schmorl’sche Knötchen (oder auch Schmorl-Knorpelknötchen oder Schmorl-Knötchen) die eindeutige Diagnose ermöglichen. Schmorl’sche Knötchen sind „herausgetretenes“ Bandscheibengewebe, das in die Deck- und Bodenplatten der Wirbelkörper einbricht und dort verknorpelt oder verkalkt. 

Wie sieht Morbus Scheuermann aus? 

  • Am häufigsten entsteht im Bereich der Brustwirbelsäule (zwischen dem 5. und 11. Brustwirbel) eine Hyper-Kyphose. Das bedeutet, die Brustwirbelsäule krümmt sich stärker als im Normalfall. Diese verstärkte Verkrümmung führt zur Ausprägung eines Rundrückens bzw. eines Buckels.  
  • Wesentlich seltener ist die Lendenwirbelsäule betroffen. Betrachtet man einen gesunden Rücken von der Seite, ist diese Partie der Wirbelsäule nach vorne, also bauchwärts, gewölbt (Lordose). Morbus Scheuermann kann dazu führen, dass diese physiologische Wölbung kaum ausgeprägt ist und ein Flachrücken entsteht. 

Physiotherapie bei Morbus Scheuermann

Scheuermann ist nicht gleich Scheuermann. Unsere Behandlungen sind individuell und richten sich danach, wie ausgeprägt und wie weit fortgeschritten Ihre Erkrankung ist. Außerdem berücksichtigen wir bereits bestehende körperliche Einschränkungen und Schmerzzustände. Deswegen gibt es kein „Konzept Scheuermann“, das wir bei jedem Patienten mit dieser Erkrankung abspielen. Es kann es sein, dass Menschen mit gleicher Diagnose völlig unterschiedliche Behandlungen bekommen.  

Zu Beginn untersuchen wir Rücken- und Bauchmuskulatur auf ein Ungleichgewicht (Dysbalance) in ihrer Beanspruchung. In den meisten Fällen ist die Muskulatur aufgrund der Verkrümmung extrem verkürzt. Wir konzentrieren uns darauf, mit gezielten Kräftigungs- und Dehnübungen dagegen anzuarbeiten. Unser Behandlungsziel ist es, im Frühstadium das weitere Fortschreiten der Verkrümmung zu verhindern und im Spätstadium die verkürzte Muskulatur zu stärken und zu dehnen, um die Wirbelsäule wieder aufzurichten.  

Unterstützend zur Krankengymnastik und Manuellen Therapie empfehlen wir Ihnen: 

  • Osteopathie 
  • Massagen 
  • Rückenschule 
  • adäquate Bewegungstherapie 
  • med. Gerätetraining unter therapeutischer Anleitung 
  • Yoga  
  • Pilates 
  • Elektrotherapie (TENS, Interferenzstrom, Reizstrom) zur Schmerzlinderung 
  • Wärme- und/oder Kälteanwendungen je nach Bedarf 
  • Atemtherapie (wenn starke Deformierungen der Wirbelsäule vorliegen, kann die Lungenfunktion beeinträchtigt sein) 

Neben den konservativen Therapiemethoden wie Physiotherapie, Osteopathie und die Versorgung mit einem Korsett kann bei schmerzhaften Verläufen eine parallele medikamentöse Einstellung erfolgen. Ist die Verkrümmung der Wirbelsäule extrem stark oder die konservative Therapie nicht erfolgreich, besteht außerdem die Möglichkeit, die fehl gerichtete Wirbelsäule operativ zu korrigieren. 

Welche Behandlung in welchem Umfang für Sie optimal ist, besprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt.  

Bei Elithera bieten wir Ihnen ein breites Spektrum an physiotherapeutischen Maßnahmen an, mit denen Sie die Folgen einer Morbus Scheuermann Erkrankung nachhaltig verbessern können. Bitte erkundigen Sie sich in Ihrem Elithera Gesundheitszentrum über spezielle Einzeltherapie- und Gruppenangebote. Wir beraten Sie gerne. 

Bleiben Sie besser in Bewegung 
Ihr Team Elithera 


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und sollte nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. 

Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

Schreibe einen Kommentar