Bewegungstherapie bei Insulinresistenz

Jeder elfte Erwachsene ist Diabetiker*. Das sind 425 Millionen Menschen weltweit – Tendenz rasant steigend. Etwa 90 % der Betroffenen sind an Typ-2-Diabetes erkrankt. Eine Insulinresistenz ist der Top-Vorläufer und Hauptindikator für einen Typ-2-Diabetes, im Volksmund auch Altersdiabetes oder Alterszucker genannt. Am Alter lässt sich diese Erkrankung jedoch längst nicht mehr festmachen, denn hier rücken immer mehr jüngere Menschen nach und überholen im wahrsten Sinne des Wortes diesen Begriff. Warum das so ist, was eine Insulinresistenz verursacht und wie Sie mit Bewegungstherapie eine bereits bestehende Insulinresistenz positiv beeinflussen können, lesen Sie in diesem Beitrag.

Insulinresistenz – der schleichende Gegner

Es wäre ja schön und vor allem hilfreich, wenn man sofort die Anzeichen einer Insulinresistenz erkennen könnte, um ad hoc gegenzusteuern. Doch so einfach ist das nicht. Wir haben es hier mit einem besonders heimtückischen Gegner zu tun, der lange unbemerkt in der Deckung verharrt. Wer die Ursachen für eine Insulinresistenz versteht und verinnerlicht, hat beste Chancen darauf, gar nicht erst daran zu erkranken. In vielen Fällen ist das Problem hausgemacht und mit einer gesunden Lebenseinstellung sowie adäquatem Verhalten korrigierbar.

Was ist Insulin?

Insulin ist ein Hormon, das hauptsächlich von den Langerhans-Inseln (auch Langerhans-Zellen) unserer Bauchspeicheldrüse nach jeder Mahlzeit produziert wird – vor allem, wenn wir Kohlehydrate essen. Reich an Kohlehydrate sind z. B. Nahrungsmittel wie Brot, Nudeln, Kuchen, Süßigkeiten und zuckerhaltige Speisen.

Welche Aufgabe hat Insulin?

In unserem Dünndarm werden die Kohlehydrate durch Verdauungsenzyme aufgespalten und als Glukosemoleküle an das Blut abgegeben. Glukose ist der Fachbegriff für Traubenzucker. Der Blutzuckerspiegel steigt daraufhin an. Spezielle Zellen der Bauchspeicheldrüse messen als „Blutzuckersensorsystem“ permanent unseren Blutzuckerspiegel. Steigt dieser über 110 mg/dl im Blut an, schüttet die Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin aus. Das Hormon fungiert als Botenstoff, der den Zellen in unserem Gewebe vermittelt, was sie tun sollen. Insulin klopft gewissermaßen an die Zelltüren, damit die Zellen (hauptsächlich in Leber und Muskeln) Glukose aus dem Blut aufnehmen und speichern. So verschwindet die Glukose aus unserem Blut und der Blutzuckerspiegel kann – ebenso wie der Insulinspiegel – wieder sinken bzw. sich einpegeln.

In den Zellen angekommen, wird die Glukose entweder gleich in Energie umgewandelt, sprich „verbrannt“ oder in Form von Glykogen in unseren Glykogenspeichern eingelagert. Die Speicherung ist sinnvoll, da wir nicht ständig essen, wir aber unaufhörlich „Brennstoff“ als Energie für unsere Körper- und Gehirnfunktion benötigen.

Insulin sorgt ebenfalls dafür, dass:

  • Kalium in die Zellen aufgenommen wird
  • Aminosäuren (zur Neubildung von Eiweißen) aus dem Blut in die Zellen gelangen
  • Fettsäuren und Glukose aus dem Blut in die Zellen unseres Fettgewebes aufgenommen und gespeichert werden. Fettgewebe ist in der Lage, nach Mahlzeiten auch große Mengen Glukose aufzunehmen und so den Blutzuckerspiegel schnell wieder zu normalisieren. Wer abnehmen möchte, sollte seinen Insulinspiegel niedrig halten.

Das nur am Rande: der Gegenspieler von Insulin heißt Glukagon. Dieses Hormon wird ebenfalls in den Langerhans-Inseln unserer Bauchspeicheldrüse produziert, immer dann, wenn der Blutzuckerspiegel unter 80 mg/dl im Blut abfällt.

Was ist eine Insulinresistenz?

Dass der Insulinspiegel nach dem Essen steigt, ist demnach völlig normal, solange er auch wieder auf einen Nüchternwert absinkt. Problematisch wird es, wenn das nicht mehr passiert. Bei vielen Menschen ist der Insulinspiegel dauerhaft zu hoch. Er ist dann schon im Nüchternzustand erhöht und steigt nach dem Essen noch mal extrem an. Das kann unseren Stoffwechsel gefährlich durcheinanderbringen.

Wie kommt es dazu? Insulin ist ja der Türöffner für unsere Zellen. Bei einer Insulinresistenz ist die Empfindlichkeit der Zellen auf Insulin gestört (Resistenz = Unempfindlichkeit, Immunität). Im übertragenen Sinne: sie bemerken das Anklopfen nicht. Die Zellen reagieren nicht auf den Botenstoff, der ihnen mitteilt, dass sie Glukose aus dem Blut aufnehmen sollen. Das bedeutet, der Blutzucker steigt jetzt immer weiter an und mehr und mehr Insulin wird ausgeschüttet, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Irgendwann ist die Insulinkonzentration so hoch, dass die Zellen langsam anfangen, die Glukose aufzunehmen. Das reicht aber bei Weitem nicht aus, um die Blutzucker- und Insulinkonzentration im Blut auf Normalwerte herunterzuregeln.

Bei einer Insulinresistenz haben wir also das Problem, dass wir jedes Mal, wenn wir essen (speziell Kohlehydrate) einen signifikant hohen Blutzuckerspiegel bekommen und daraufhin eine viel zu starke Insulinausschüttung in Gang gesetzt wird. Das hat Folgen für unsere Gesundheit.

Ursachen für eine Insulinresistenz

Für die Insulinresistenz lässt sich – neben einer Überernährung an Fett- und Kohlehydraten, Übergewicht und Bewegungsmangel – eine erbliche Veranlagung nachweisen.

Folgen einer Insulinresistenz

Es kann zu Problemen mit der Bauchspeicheldrüse kommen, weil diese eine andauernde „Überproduktion“ von Insulin leisten muss. Das mag mitunter viele Jahre gut gehen, muss es aber nicht. Im Worst-Case-Szenario stellt die Bauchspeicheldrüse irgendwann die Insulinproduktion ein. Sie ist erschöpft. Die Folge: Typ-2-Diabetes. Es wird gar kein Insulin oder viel zu wenig produziert und muss von außen zugeführt werden (medikamentös oder über Injektionen). Insbesondere wenn Ihr Vater oder Ihre Mutter an Typ-2-Diabetes erkrankt sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine Insulinresistenz ausbilden. Eine Insulinresistenz als Vorstufe eines Typ-2-Diabetes ist demnach keine Frage des Alters, sondern des Lebensstils und/oder der erblichen Veranlagung.

Ein weiteres Problem ist Übergewicht. Das Insulin ist für die Regulation des Fettgewebes von zentraler Bedeutung. Ist der Insulinspiegel ständig erhöht, kann es zu starkem Fettaufbau kommen. Gerade das Bauchfett ist besonders insulinempfänglich und stoffwechselaktiv. Ein erstes Alarmsignal für Insulinresistenz ist demnach ein vermehrter Fettansatz am Bauch. Auch die Leber leidet unter einem dauerhaft erhöhten Insulinspiegel. Sind die Glykogenspeicher voll, wandelt die Leber Glukose in Fett um. Das ganze Fett wird aus der Leber ins Blut abgegeben. Dadurch erhöhen sich die Blutfettwerte (Triglyceride). Erhöhte Blutfettwerte können zu Verkalkungen der Gefäße führen und somit das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen. Ein anhaltend hoher Insulinspiegel wirkt sich zudem negativ auf unsere Cholesterintransporter aus. Statt des normalen LDL-Cholesterins, Typ A werden unter Einfluss des Insulins kleinere Cholesterintransporter (LDL-Cholesterin, Typ B) gebildet. Diese Transporter neigen dazu, im Blut abzusinken, in die Gefäßwände einzudringen und dort ihr Cholesterin einzulagern. Das begünstigt u. a. Entzündungen und Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Bluthochdruck kann eine weitere Folge der Insulinresistenz sein. Durch eine beständig gesteigerte Insulinkonzentration im Blut erhöht sich die Natrium- und Wasserrückresorption in unseren Nieren, wodurch das Blutvolumen steigt.

Alle diese Folgen zusammengefasst, ergeben ein stoffwechselbedingtes Risiko-Profil für:

  • ein metabolisches Syndrom
  • Typ-2-Diabetes
  • Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose)
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Demenz
  • Gicht
  • Krebserkrankungen

Bewegungstherapie bei Insulinresistenz

Warum Bewegungstherapie? Weil Bewegung – vorrangig adäquates Ausdauertraining – sich als erfolgreiche Therapiemaßnahme bei einer diagnostizierten Insulinresistenz vielfach bewährt hat. Außerdem empfehlen wir Ihnen bei einer Insulinresistenz nicht einfach drauflos zu sporteln, sondern im Vorfeld einen Leistungscheck zu absolvieren, damit wir für Sie ein optimal abgestimmtes Trainingsprogramm aufstellen können. Gerade wenn Sie unter Übergewicht leiden, ist es elementar, Sie im Training zu belasten, ohne Sie zu überlasten. Die richtige, angemessene sportliche Herausforderung sensibilisiert Ihre Zellen für Insulin, die Glukoseaufnahme steigt und Ihr Blutzuckerspiegel sinkt.

Von ärztlicher Seite aus wird oftmals eine Ernährungsumstellung auf kohlenhydratarme, fettarme und kalorienreduzierte Kost empfohlen. Bewegungstherapie und Ernährungsumstellung in Kombination ist eine sehr erfolgversprechende Grundlage, um:

  • Ihren Blutzuckerspiegel zu senken
  • Ihre Insulinempfindlichkeit zu erhöhen
  • Ihre Blutfettwerte zu verbessern
  • hohen Blutdruck zu senken
  • Übergewicht und Stress abzubauen

Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an. Gemeinsam finden wir das passende Bewegungsprogramm für Sie.

Bleiben Sie besser in Bewegung
Ihr Team Elithera


* Quelle: https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/diabetes/diabetes-mellitus-in-zahlen-2013492

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und sollte nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

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